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Geistlicher Impuls


Liebe Schwestern und Brüder,

mal ehrlich: langsam reicht es doch mit Corona! Seit einem Jahr geht das jetzt schon so mit Lockdown und Lockerungen, Masken, Abstand, Desinfektion… Und die Begegnungen, die Feiern, das Miteinander, all das fehlt, mir absolut, und Ihnen vermutlich auch!

Mitte März vor einem Jahr wurden die öffentlichen Gottesdienste abgesagt. Meine erste Reaktion: Das gibt es nicht, das ist unmöglich! Bald verstand ich: Das machen die, das meinen die ernst!  -  Seitdem ist einiges geschehen, wir haben geschaut, dass Kirche bei uns „sichtbar“ blieb: durch die übertragenen Gottesdienste aus St. Konrad, die jeden Sonn- und Feiertag im Internet mitgefeiert werden können; durch geistliche Impulse, die per E-Mail zugeschickt oder im „Netz“ veröffentlicht werden; durch Anrufe und nicht zuletzt reale Begegnungen, natürlich corona-konform. Gottlob feiern wir längst wieder in allen unseren Gemeinden Gottesdienste, meines Wissens bis heute ohne irgendwelche Ansteckungen! Dass das auch so bleibt, darum bemühen wir uns weiterhin mit unserem bewährten Schutzkonzept.

Und nun naht das zweite Corona-Ostern! Vor einem Jahr waren wir geschockt, überrumpelt, uninformiert: was ist das für ein Virus, das ganze Volkswirtschaften und sogar die Kirche lahmlegt?! Und wir feierten Ostern „alternativ“: ohne öffentliche Gottesdienste, aber mit geöffneten Kirchen und digitalen Angeboten, ohne Verwandtenbesuche, aber mit vielen Telephonaten. Wir sahen die schockierenden Bilder von unzähligen Särgen in etlichen Ländern, schwiegen angesichts der anscheinend doch bei uns in Deutschland noch glimpflich verlaufenden Pandemie, hofften, dass spätestens im Sommer der Spuk vorbei sei…

Mittlerweile wissen wir mehr: nachwievor gibt es Menschen, die die Pandemie leugnen und die Maßnahmen ablehnen; dabei befinden wir uns unübersehbar in der dritten Welle, die Todesfälle haben bei uns die 80.000 erreicht, die Lockerungen im Lockdown bleiben verhalten und vorsichtig. Und wir haben Impfstoffe! Überaus schnell entwickelt und getestet (gründlich genug?), stehen sie zur Verfügung und werden verimpft, im begrenzten Maße noch, aber die Impfungen sollen Fahrt aufnehmen, bis zum Ende des Sommers sollen alle Impfwilligen geimpft sein.

Ich finde, dieses zweite Ostern unterscheidet sich deutlich vom ersten: wir sehen Perspektiven! Es gibt realistische Chancen, die Pandemie zu besiegen! Ich nenne das „österlich“: auch das ist Auferstehung! Das Ende des großen Sterbens ist in Sicht, das Leben hat uns bald wieder!

Und noch etwas nehme ich wahr. Alles in uns drängt doch hin zur „Normalität“: wir wollen wieder singen, uns umarmen, besuchen, zusammen feiern, heiraten und Kinder taufen, und fröhlich sein – miteinander, und ohne Masken! Kurz: wir drängen zum Leben! Die Virologen sagen: Vorsicht! Geduld! Die Gefahr ist nicht gebannt! – Und sie haben recht! Es ist noch nicht die Zeit, die Corona-Maßnahmen zurückzufahren! – Aber: es drängt in uns – und auch das ist österlich! Wie die Natur aus dem „Winterschlaf“ erwacht und zu neuem Frühlings-Leben drängt, so drängt es in uns!

In Tod und Auferstehung des Herrn erkennen wir das „Geheimnis des Lebens“. So lässt Gott es zu: unser Leben auf dieser Erde hat natürlich-biologische „Schwachstellen“, Leben ist gefährdet, und schließlich: alles Lebendige vergeht, alle Menschen sterben. Aber der Tod ist nicht das Ziel des Lebens. Das Ziel des Lebens ist das Leben: wir werden geboren, um zu leben!
In einem wunderbaren Gedicht von Rose Ausländer heißt es:

Vor seiner Geburt war Jesus auferstanden
Sterben gilt nicht für Gott und seine Kinder
Wir Auferstandene vor unserer Geburt

Halten Sie durch! Bleiben Sie gesund! Ein gesegnetes und frohes Osterfest wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Diakon Joachim Pauli